Kognitive Produktion

Projekt SHOWS startet: Entwicklung einer automatisierten Strahleinheit zur Oberflächenbearbeitung mit wassereisbasierten Strahlmitteln

Ob es nun der Hagelschaden nach einem sommerlichen Gewitter ist oder die durch Wind und Sand geformten Felsformationen in der Wüste: Nach dem natürlichen Vorbild lassen sich heutzutage mithilfe des Strahlens fester Partikel verschiedenste metallische und nichtmetallische Oberflächen bearbeiten, strukturieren bzw. reinigen. Im Hinblick auf die massiven Umwelt- und Gesundheitsrisiken des konventionellen Sandstrahlens, stellt dabei das Strahlen mit festen Wassereispartikeln eine nachhaltige und zukunftsfähige Alternative dar. Genau diese innovative Technologie ist Gegenstand des Projektes SHOWS, welches wir Ihnen in diesem Beitrag vorstellen wollen.

Ziel ist die Strahltechnikentwicklung zur hybriden Oberflächenbearbeitung mit wassereisbasierten Strahlmitteln. Wir in der Abteilung Digitaler Produktionszwilling beschäftigen uns dabei speziell mit der Technologieentwicklung, der Roboteranbindung und der Automatisierung des Prozesses.

Im alltäglichen Leben sowie in den verschiedensten Industriebereichen sind Oberflächen anzutreffen, welche funktional bearbeitet oder strukturiert wurden. Ein bewährtes, jedoch mit großen Umwelt- und Gesundheitsrisiken behaftetes Verfahren für die Bearbeitung stellt hierfür das Strahlen mit festen Partikeln wie z. B. Korund dar. Die aktuelle, global-ökologische und ökonomische Situation zwingt europäische Unternehmen zunehmend, nachhaltige Technologien und Verfahren zu entwickeln, um im In- und Ausland konkurrenzfähig gegenüber Mitbewerbern zu bleiben. Als eine nachhaltige Alternative zum konventionellen Sandstrahlen führt dabei die Entwicklung einer Strahltechnologie mit wassereisbasierten Strahlmitteln zu einer enormen Entlastung der Umwelt und zur Steigerung der Flexibilität an Bearbeitungsaufgaben. Die Eigenschaft der Wassereispartikel, mit abnehmender Temperatur eine größere Härte zu besitzen (Mooshärte 6 bei -70 °C), macht das Strahlgut auch für abrasive Anwendungen einsetzbar. Zusätzlich eignet sich Eis in Anbetracht seiner globalen Verfügbarkeit und der Möglichkeit einer verbrauchsarmen Kreislaufwirtschaft als ökologisch verträglicher Werkstoff der Zukunft.

Im Projekt SHOWS – Strahlentechnikentwicklung zur hybriden Oberflächenbearbeitung mit wassereisbassierten Strahlmitteln – wird dafür eine automatisierte Strahleinheit für die Oberflächenbearbeitung von Werkstücken aus der Medizintechnik und anderen hochtechnologischen Branchen entwickelt. Durch die Anpassung der Prozessparameter (Temperatur, Durchfluss, Druck, Düsengeometrie) kann der Strahlvorgang letztendlich für die jeweilige Bearbeitungsaufgabe (abtragen, polieren, reinigen) eingestellt und geregelt werden. Das Gesamtsystem zeichnet sich dadurch aus, dass eine Manipulation der Abtragleistung basierend auf der gezielten Ausnutzung der besonderen Eisphysik möglich ist. So muss weder das Strahlmittel oder die Pistolentechnik gewechselt werden.

Prozessübersicht und Entwicklungsziel des Projektes SHOWS, © Fraunhofer IWU
Zielstellungen im Projekt

SHOWS strebt mit den folgenden Zielstellungen die marktfähige Entwicklung der zuvor beschriebenen Strahltechnologie und deren Automation an:

  • Entwicklung einer automatisierten Strahleinheit zum Präzisionsstrahlspanen mit Druckluft und wassereisbasiertem Strahlmittel für individuelle Bearbeitungsaufgaben, wie z. B. Abtragen, Reinigen, Strukturieren oder Polieren.
  • Durch den Zusatz von Wirkstoffen wird der Strahlprozess mit integrierten, hybriden Funktionalitäten wie der Desinfektion von Bauteiloberflächen erweitert.
  • Flexible Anpassung der Eigenschaften des Eises in einem Gerät (Eiserzeugung und Strahltechnik) für unterschiedliche Anwendungen im industriellen Umfeld
  • Ausstattung der automatisierten Strahleinheit mit zusätzlichen vor- und nachgelagerten Funktionalitäten

In Zusammenarbeit mit den Industriepartnern wird die Strahltechnik an eine installierte Robotereinheit gekoppelt und durch Integration aller notwendigen Systemkomponenten eine Demonstrator-Anlage im Versuchsfeld des Fraunhofer IWU aufgebaut. Der NC-gesteuerte 6-Achs-Roboter ermöglicht dabei unter reproduzierbaren Bedingungen die Technologieentwicklung für die verschiedenen industriellen Bedarfe. Zusätzlich bietet die im Robotersystem integrierte Steuerung die Möglichkeit, weiterer Einzelsysteme über die Systemschnittstellen zu integrieren, sodass eine spätere Zusammenführung zu einer komplexen Fertigungszelle ermöglicht wird.

Übersicht aller zusammenwirkenden Teillösungen, © Fraunhofer IWU

Liste der beteiligten Partner im Verbundprojekt

Liste der beteiligten Partner im Verbundprojekt:

A. Richter Kälte- und Klimatechnikhttps://www.kaelte-richter.de/
KF Strahltechnik Dresden GmbHhttps://www.kf-strahltechnik.de/
Institut für Luft- und Kältetechnik gGmbHhttps://www.ilkdresden.de/
Für Rückfragen und Anmerkungen steht Ihnen unser Kollege Herr Erik Selbmann gerne unter folgender Mailadresse zur Verfügung: erik.selbmann@iwu.fraunhofer.de.

Headerbild: © Fraunhofer IWU

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Erik Selbmann

Dipl.-Ing. Erik Selbmann
Wissenschaftlicher Mitarbeiter
Abteilung "Digitaler Produktions-Zwilling"

Fraunhofer IWU
Pforzheimer Str. 7a
01189 Dresden

Telefon: +49 351 4772-2629
E-Mail: erik.selbmann@iwu.fraunhofer.de

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